Drastische Strompreiserhöhung bei E.ON: 45 Prozent mehr in NRW

„Der Strompreis wird natürlich günstiger werden“, sagte erst kürzlich Katrin Göring-Eckardt. Nur wenige Tage später kündigt E.ON deutlich steigende Strompreise an. Mehrere Experten warnen nach dem KKW-Aus vor einem möglichen Energieengpass und höheren Kosten für Verbraucher.
E.ON
E.ON will in NRW den Strompreis deutlich erhöhen.Foto: INA FASSBENDER/AFP via Getty Images
Von 19. April 2023

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Erst kürzlich sprach Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt von sinkenden Strompreisen in Deutschland. „Der Strompreis wird natürlich günstiger werden, je mehr Erneuerbare wir haben“, sagte die Grünen-Politikerin am Dienstag, 11. April, bei „MDR Aktuell“. Dabei betonte sie auch die hohen Kosten der Atomenergie und befürwortete den Ausstieg aus dieser Technik.

Jedoch geschieht nun genau das Gegenteil: Kurz nach der Abschaltung der letzten drei deutschen Kernkraftwerke verkündete der Marktführer E.ON eine drastische Strompreiserhöhung. Der Energiekonzern erhöht zum 1. Juni seine Preise in der Grundversorgung.

Verteuerung trotz Strompreisbremse

„In Teilen von NRW liegt der neue Arbeitspreis bei 49,44 Cent brutto je Kilowattstunde, das bedeutet für einen durchschnittlichen Verbrauch eine Anpassung um rund 45 Prozent“, teilte ein Sprecher von E.ON Energie mit. Wie „RP-Online“ berichtet, berechnete das Vergleichsportal Verivox die künftigen Kosten für einen Dreipersonenhaushalt in NRW, der von E.ON in der Grundversorgung beliefert wird. Ab Juni zahlt er 2.125 Euro für einen Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden Strom. Bis Ende Mai sind es noch rund 1.465 Euro.

Verbraucherschützer sind alarmiert. „Die Steigerungen, die E.ON angekündigt hat, sind sehr drastisch“, sagte Amelie Vogler, Energieexpertin der Verbraucherzentrale NRW.

„Grundsätzlich dämpft die Strompreisbremse natürlich die Erhöhung“, schilderte Vogler. Allerdings müssten Verbraucher für 20 Prozent des Verbrauchs dennoch den hohen neuen Preis zahlen.

Bei der Strompreisbremse zahlen die deutschen Privathaushalte für 80 Prozent der aktuellen Jahresverbrauchsprognose 40 Cent pro Kilowattstunde (brutto). Für jede darüber liegende Kilowattstunde wird der festgelegte Arbeitspreis des bestehenden Tarifs berechnet, wie E.ON informiert.

Die Preisbremse greift nur, sofern der vertragliche Arbeitspreis über den 40 Cent pro Kilowattstunde liegt. Liegt der aktuelle Arbeitspreis darunter, gelten die günstigeren vertraglichen Konditionen. Seit März wird die Strompreisbremse bei den monatlichen Abschlägen berücksichtigt.

McKinsey-Studie: 2025 fehlen vier Gigawatt

Das Beratungsunternehmen McKinsey veröffentlichte im März eine Untersuchung zum Stand der deutschen Energiewende, wie das Portal „E-Fahrer“ berichtete. Die Studie betrachtet es als problematisch, dass Deutschland neben der Kernenergie nun auch aus der nächsten Grundversorgung – der Kohlekraft – aussteigen will.

Laut der Studie wird Deutschland in Zukunft seine Spitzenlast nicht mehr allein abdecken können. Schon 2025 werden demnach vier Gigawatt fehlen – in etwa die Leistung der letzten drei KKW. Bis 2030 steigt die fehlende Kapazität laut den Experten dann auf bis zu 30 Gigawatt an. Andere Fachleute gehen davon aus, dass noch mehr fehlt.

In den kommenden Jahren wird der Strombedarf deutlich steigen. Mehr Elektroautos, Wärmepumpen, aber auch einen steigenden Energiebedarf der Industrie – etwa durch zunehmende Automatisierungen – treiben die Stromnachfrage nach oben.

Höhere Kosten und Strommangel mit erneuerbaren Energien?

Göring-Eckardt befürwortete vergangene Woche auch den Ausbau der erneuerbaren Energien und sprach von einem Kostenvorteil gegenüber der „Atomkraft“. „Wind und Sonne, die kriegen wir immer zum Nulltarif. Da brauchen wir die Anlagen und die Netze, und deswegen ist das das Entscheidende“, sagte die Grünen-Politikerin. „Atomkraft“ dagegen sei „teuer, sowohl in der Herstellung, in der Produktion, als auch danach“.

Ganz anders sieht das Dr. Walter Tromm vom Karlsruher Institut KIT, Experte für nukleare Entsorgung und Sicherheit. Er sagte kürzlich laut „Merkur“, dass die Stromversorgung mit erneuerbaren Energien für Verbraucher mit höheren Kosten verbunden sein würden. „Gas- und erneuerbare Energien sind in der Energiegewinnung deutlich teurer als durch die bestehenden Kernkraftwerke.“

Manuel Frondel vom RWI Essen mahnte zudem einen möglichen Energieengpass im Winter oder an windstillen Tagen an. Ein Mangel von bis zu sieben Prozent könnte entstehen. „Es könnte darauf hinauslaufen, dass Strom dann häufiger rationiert wird, beispielsweise Wärmepumpen für zwei bis drei Stunden am Tag vom Netz abgeklemmt werden.“

Stromproblem auch in Bayern

Auch in Bayern schaltete die Bundesregierung mit Isar 2 ein KKW aus. Dieses sorgte laut Detlef Fischer, Vorstand des Verbandes der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft, für rund 15 Prozent der bayerischen Stromproduktion oder in etwa der der Stadt München.

Das Abschalten erhöhe die Abhängigkeit Bayerns. „Bayern ist nun von einem Strom-Exporteur zu einem Strom-Importeur geworden“, zitierte das „Bayreuther Tagblatt“ Fischer.

Künftig müsse der Freistaat im Winter etwa ein Drittel seines Stroms importieren. „Das funktioniert so lange, wie uns die anderen Bundesländer und auch das Ausland mit Strom versorgen können.“

(Mit Material von den Agenturen)



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